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Lehrlingsförderung für Betriebe 2026: Basisförderung, Prämien und was sich geändert hat

Seit Juli 2026 gibt es weniger Basisförderung – außer für einen Lehrling pro Jahr. Was Lehrbetriebe jetzt bekommen, wie man rechnet und welche Fristen gelten.

Anto Matijevic · Veröffentlicht am · 5 Min. Lesezeit

Lehrlingsförderung für Betriebe 2026: Basisförderung, Prämien und was sich geändert hat

Wer Lehrlinge ausbildet, bekommt dafür Geld vom Staat – das war jahrelang eine verlässliche Rechnung. 2026 hat sich das geändert: Die Basisförderung wurde gekürzt, das Budget ist für heuer aufgebraucht, und wer einen Antrag stellt, muss eine neue Auswahl treffen. Hier lesen Sie, was Lehrbetriebe bei der Lehrlingsförderung jetzt bekommen, wie Sie die Förderung berechnen und welche Fristen gelten.

Alle Angaben sind eine Einschätzung auf Basis der WKO-Informationen, Stand Oktober 2026. Verbindlich ist die Auskunft der Lehrlingsstelle Ihrer Landeskammer.

Die Basisförderung: das Herzstück

Die Basisförderung ist die wichtigste betriebliche Lehrlingsförderung in Österreich. Sie wird nach jedem abgeschlossenen Lehrjahr beantragt und richtet sich nach dem kollektivvertraglichen Bruttolehrlingseinkommen:

LehrjahrBerechnungsgrundlageAb 1.7.2026: StandardAb 1.7.2026: ein gewählter Lehrling
1. Lehrjahr3 Lehrlingseinkommen75 % davon100 %
2. Lehrjahr2 Lehrlingseinkommen75 % davon100 %
3. Lehrjahr1 Lehrlingseinkommen75 % davon100 %
4. Lehrjahr1 Lehrlingseinkommen75 % davon100 %

Bei halben Lehrjahren, angerechneten Lehrzeiten oder verkürzter Lehrzeit wird anteilig gerechnet.

Was sich ab 1. Juli 2026 geändert hat

Für alle Lehrjahre, die ab 1. Juli 2026 enden, gibt es nur noch 75 Prozent der bisherigen Berechnungsgrundlage. Begründet wird das mit dem Budget: Die Kosten aller Lehrlingsbeihilfen übersteigen laut WKO das Gesamtbudget von 280 Millionen Euro.

Die wichtige Ausnahme: Pro Lehrbetrieb und Kalenderjahr kann eine fällige Basisförderung weiterhin zu 100 Prozent gewährt werden. Welcher Lehrling das ist, entscheiden Sie selbst – Sie müssen ihn beim Antrag aber kennzeichnen. Das gilt laut WKO auch, wenn Sie nur einen einzigen Lehrling haben.

Unser Tipp: Wählen Sie für die 100 Prozent das Lehrjahr mit der höchsten Berechnungsgrundlage. Das ist meist ein erstes Lehrjahr (dreifaches Einkommen) oder ein zweites (doppeltes).

Lehrjahre, die bis einschließlich 30. Juni 2026 geendet haben, sind nicht betroffen – sie werden automatisch mit 100 Prozent berechnet.

Rechenbeispiel: Lehrling im Metallgewerbe

Ein Beispiel mit den Lehrlingseinkommen laut Kollektivvertrag Metallgewerbe 2026 (dazu gehören unter anderem Elektro-, Metall- und Installationstechnik). Vereinfacht gerechnet mit den Sätzen 2026:

LehrjahrLehrlingseinkommen 2026GrundlageFörderung 75 %Förderung 100 %
1.1.000,00 €3.000,00 €2.250,00 €3.000,00 €
2.1.148,75 €2.297,50 €1.723,13 €2.297,50 €
3.1.493,38 €1.493,38 €1.120,04 €1.493,38 €
4.2.000,00 €2.000,00 €1.500,00 €2.000,00 €

Über eine vierjährige Lehre kommen so bei 75 Prozent rund 6.590 Euro zusammen, bei durchgehend 100 Prozent wären es rund 8.790 Euro. Ihre eigenen Werte hängen vom Kollektivvertrag Ihrer Branche und vom Zeitpunkt des Lehrjahrs ab.

Voraussetzungen und Antrag

Damit die Basisförderung fließt, müssen laut WKO-Merkblatt unter anderem diese Punkte erfüllt sein:

  • Das Lehrverhältnis hat das ganze Lehrjahr gedauert – oder endete regulär (Zeitablauf oder Lehrabschlussprüfung bis höchstens zehn Wochen vor dem vereinbarten Ende).
  • Das Lehrlingseinkommen liegt nicht unter dem Kollektivvertrag.
  • Nicht gefördert werden Gebietskörperschaften, politische Parteien und Ausbildungseinrichtungen.

Frist: drei Monate nach Ende des Lehrjahrs. Weg: am einfachsten über den Lehre.Fördern-Online-Service (LOS) der Wirtschaftskammer. Möglich sind auch E-Mail, Fax oder Post. Nicht fristwahrend sind laut WKO Cloud-Links und verschlüsselte Anhänge.

Budget 2026 ausgeschöpft

Die Bundesmittel für 2026 sind aufgebraucht. Das heißt nicht, dass Sie leer ausgehen: Anträge werden weiter angenommen und bearbeitet, ausgezahlt wird aber frühestens ab der zweiten Hälfte Jänner 2027. Für 2027 und 2028 bleibt das Budget bei 280 Millionen Euro pro Jahr, ab 2029 sind 285 Millionen vorgesehen. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht – planen Sie die Förderung also als willkommenen Zuschuss, nicht als fixen Posten.

Weitere Lehrlingsförderung für Betriebe

Neben der Basisförderung gibt es mehrere Qualitätsförderungen. Die wichtigsten mit Beträgen laut WKO:

FörderungHöheWichtigste Bedingung
Gute Lehrabschlussprüfung200 €beim ersten Antritt, Lehrling mind. die letzten 12 Monate im Betrieb
Ausgezeichnete Lehrabschlussprüfung250 €wie oben
Weiterbildung der Ausbilder:innen75 % der Kurskosten, max. 2.000 € pro Person und Jahrmind. 8 Stunden, keine Fachkurse
Vorbereitungskurs auf die LAP (Antrag durch den Lehrling)100 % gefördertKurs außerhalb der Berufsschulzeit

Dazu kommen Förderungen für zwischen- und überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen, Internatskosten, Lehrlinge mit Lernschwierigkeiten, Auslandspraktika und kostenloses Coaching für Lehrlinge und Betriebe. Auch hier gilt meist: Antrag innerhalb von drei Monaten.

So holen Sie das Maximum heraus

  1. Fristen im Kalender eintragen. Für jeden Lehrling das Ende jedes Lehrjahrs plus drei Monate.
  2. Den 100-Prozent-Lehrling bewusst wählen. Pro Kalenderjahr einmal – idealerweise beim Lehrjahr mit der höchsten Grundlage.
  3. Gute Prüfungen fördern. Ein Vorbereitungskurs ist für den Lehrling kostenlos, die Prämie für einen guten Abschluss geht an Sie.
  4. Ausbilder:innen weiterbilden. Pädagogik- und Methodik-Kurse werden zu 75 Prozent gefördert.
  5. Nachfragen. Die Lehrlingsstelle Ihrer Landeskammer berät kostenlos – in Niederösterreich die WKNÖ.

Lehrling gesucht?

Förderung hin oder her: Zuerst brauchen Sie den passenden Lehrling. Tipps zur Suche, zu Schnuppertagen und zum Lehrvertrag finden Sie auf Lehrling finden. Ihre Lehrstelle können Sie bei uns kostenlos inserieren – oder Sie schicken uns den Aushang und wir inserieren für Sie. Lehrstellen aus der Region erscheinen auch auf Jobs im Mostviertel und Jobs in Niederösterreich.

Hintergrund für Jugendliche und Eltern bietet unser Beitrag Lehre in Österreich. Und wenn der Lehrling startet: Wie die ersten Wochen gelingen, steht in Onboarding neuer Mitarbeiter.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Basisförderung für Lehrlinge 2026?

Die Berechnungsgrundlage sind drei kollektivvertragliche Bruttolehrlingseinkommen im 1. Lehrjahr, zwei im 2. und je eines im 3. und 4. Lehrjahr. Für Lehrjahre, die ab 1. Juli 2026 enden, gibt es davon 75 Prozent. Einen Lehrling pro Betrieb und Kalenderjahr können Sie für 100 Prozent auswählen.

Für welchen Lehrling bekomme ich 100 Prozent?

Für einen Lehrling pro Lehrbetrieb und Kalenderjahr, den Sie selbst auswählen und beim Antrag kennzeichnen. Laut WKO gilt das auch für Betriebe mit nur einem Lehrling – die Kennzeichnung also nicht vergessen.

Bis wann muss ich die Basisförderung beantragen?

Innerhalb von drei Monaten nach Ende des jeweiligen Lehrjahrs, am besten über den Lehre.Fördern-Online-Service (LOS) der Wirtschaftskammer. Verspätete Anträge sind nicht fristwahrend.

Wann wird die Lehrlingsförderung 2026 ausbezahlt?

Laut WKO sind die Bundesmittel für 2026 ausgeschöpft. Anträge werden weiter angenommen und bearbeitet, die Auszahlung erfolgt frühestens ab der zweiten Hälfte Jänner 2027. Einen Rechtsanspruch auf die Förderung gibt es nicht.

Was bekommt ein Betrieb für eine gute Lehrabschlussprüfung?

Laut WKO-Merkblatt 200 Euro bei gutem Erfolg und 250 Euro bei Auszeichnung, wenn der Lehrling die Prüfung beim ersten Antritt besteht und mindestens die letzten zwölf Monate im Betrieb ausgebildet wurde. Antrag innerhalb von drei Monaten nach der Prüfung.

Quellen

  1. WKO: Förderungen Lehre (Stand 05.10.2026)
  2. WKO: Merkblatt Basisförderung (Stand 06.07.2026)
  3. WKO NÖ: Förderungen Lehre (Stand 05.10.2026)
  4. WKO: Förderung ausgezeichnete und gute Lehrabschlussprüfungen (Stand 06.07.2026)
  5. WKO: Förderung Weiterbildung der Ausbilder:innen (Stand 06.07.2026)
  6. WKO: Lohnordnung Metallgewerbe Arbeiter 2026 (Lehrlingseinkommen)
Anto „Toni“ Matijevic

Anto „Toni“ Matijevic

Arbeitsvermittler und Gründer von einfacharbeit.at, Aschbach-Markt (Mostviertel)

Toni bringt Betriebe und Bewerber:innen in Österreich zusammen und vermittelt auch selbst. Hinter einfacharbeit.at steht er persönlich.

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